Kommunikation und Informationsbeschaffung verlagern sich zunehmend in die digitale Welt. Vor allem die mobile Internetnutzung nimmt stetig zu und Smartphones oder Tablets sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Laut einer Erhebung von statista.de* nutzten 2018 rund 6.3 Millionen Menschen in der Schweiz ein Smartphone. Bis 2023 sollen es gar 7.3 Millionen werden. Das bedeutet, dass nahezu die gesamte Schweizer Bevölkerung bereits jetzt im Besitz eines mobilen Endgeräts ist. Eine Entwicklung, die auch neuen Schwung in die Personalbeschaffung bringen sollte, oder? Mobile Recruiting gilt als einer der Trends im HR-Bereich. Trotzdem ist die Zahl der Arbeitgeber, die mobil auf Kandidatensuche gehen und entsprechende Angebote haben, bisher noch recht überschaubar.

Definition: Was bedeutet Mobile Recruiting?

Stellenanzeigen in Printmedien und die klassische Bewerbungsmappe gibt es zwar nach wie vor. Aber das Internet hat beiden längst den Rang abgelaufen. Wer auf Jobsuche ist, schaut sich meist auf Online-Stellenportalen um oder besucht die Karriereseite eines Unternehmens. Bewerberunterlagen werden per E-mail verschickt oder direkt hochgeladen. Mobile Recruiting heisst, dass dieser Prozess komplett mittels spezieller Apps oder mobiler Websites auf dem Smartphone oder Tablet stattfindet. Eine Bewerbung und die Kommunikation mit Kandidaten ist so zu jeder Zeit und an jedem Ort möglich, zumindest theoretisch. Denn die Anforderungen und Voraussetzungen bei der mobilen Personalgewinnung sind andere und lassen sich nicht 1 : 1 vom sonst üblichen Verfahren übertragen.

Wozu überhaupt Mobile Recruiting?

Weshalb sollen wir mobil rekrutieren, es hat doch bisher ohne gut funktioniert? Diese Frage mag sich manch Personalverantwortlicher vielleicht stellen. Im Gegensatz zu Kandidaten, die mobile Angebote immer mehr zu schätzen wissen, verhalten sich Unternehmen in diesem Bereich noch eher zögerlich. Das kann ein Fehler sein, da die Usergewohnheiten mittlerweile andere sind. Aktuell, so statista.de, erfolgen 78 Prozent aller Web-Besuche von mobilen Geräten aus. Mit anderen Worten: Mehr als drei Viertel der Schweizer surft mobil im Netz – auch bei der Stellensuche. Wer seinen Recruiting-Prozess nicht entsprechend optimiert, erreicht weniger potenzielle Bewerber und verpasst Chancen.

In Zukunft wird sich das noch deutlicher bemerkbar machen. Gerade Jugendliche, also die Talente von Morgen, greifen besonders oft zum Smartphone.** Hinzu kommt, dass Google seit März 2021 die Mobile-only-Indexierung fährt. Will heissen: Seiten die bisher nur für die Desktop-Nutzung ausgerichtet sind, fliegen aus dem Index und werden in den Suchergebnissen nicht mehr angezeigt, Punkt. Schon allein, damit die eigene Karriereseite und die eigenen Stellenanzeigen nicht im Nirwana verschwinden, ist eine mobile Ausrichtung unabdingbar.

Vor- und Nachteile eines mobilen Bewerbungsangebotes

Mobile Recruiting kann einige Wettbewerbsvorteile bedeuten. Wer seine Stellenangebote mobil präsentiert und zugleich eine Möglichkeit bietet, sich sofort zu bewerben, nimmt Kandidaten schon mal eine Hürde. Sie müssen bei Interesse nicht mehr das Gerät wechseln. Das beschleunigt den Bewerbungsprozess insgesamt und ist komfortabel für Jobsuchende; ganz im Sinne einer positiven Candidate Experience. Auch die Zahl eingehender Bewerbungen vergrössert sich, weil man insgesamt mehr Menschen erreicht. Auf diese Weise steigt die Chance, dass schneller passende Kandidaten dabei sind. Außerdem zeigt ein Unternehmen so, dass es die Wünschen seiner Recruiting-Zielgruppe verstanden hat. Dadurch greift man nicht zuletzt dem eigenen Arbeitergeberimage unter die Arme. Jedenfalls, sofern der mobile Bewerbungsweg optimal ausgestaltet ist.

Wer mobil surft, hat einen kleinen Bildschirm. Ewig langes Runterscrollen ist nervig und kann schon mal dafür sorgen, dass Jobinteressenten die Geduld verlieren. Noch schlimmer: Die Möglichkeit, sich direkt zu bewerben ist da, aber der Kandidat soll mehrere Unterlagen einreichen oder gar ein Motivationsschreiben am Handy tippen? Damit ist der Absprung garantiert. Das Mobile Recruiting muss mit nur wenigen Klicks funktionieren. Darin sehen viele Personalverantwortliche ein Problem. Sie befürchten, dass, wenn der Aufwand gering ist, sie viele unpassende Bewerbungen bekommen. Oder eben nicht genug Informationen über Bewerber. Darüber hinaus steige der Arbeitsaufwand und die Notwendigkeit weiterer technischer Investitionen, weil die mobilen Bewerbungen in das eigene System integriert werden müssen.

Tipps für die Umsetzung von Mobile Recruiting

Also lieber doch kein mobiles Recruiting? Man denke einfach mal ein paar Jahre zurück, als die Bewerbung per E-mail ausgesprochen kritisch beäugt wurde. Heute ist sie Standard. Das wird beim Mobile Recruiting nicht anders sein. Es mag durchaus einige Probleme geben, die sich jedoch leicht umschiffen lassen, wenn man ein paar grundlegende Punkte beachtet:

  • Mobiles Design für die Karriereseite

    Sowohl die Karriereseite als auch die Stellenanzeigen müssen für die mobile Nutzung gestaltet bzw. optimiert werden. Google selbst empfiehlt, auf ein responsives Design zu setzen. Damit passt sich die Seite automatisch dem Gerät an, von dem sie aufgerufen wird. Auch die Inhalte und Bilder sollten mit dem mobilen Nutzerverhalten konform gehen, also keinesfalls zu umfangreich oder unübersichtlich sein.

  • Formulierung der Stellenanzeige

    Um zu vermeiden, dass zu viele Bewerbungen eingehen, die nicht auf die Vakanz passen, kommt es auf den Inhalt der Stellenanzeige an. Der sollte zwar recht knapp gehalten, aber so konkret wie möglich formuliert werden. Wer genau wird für welche Position gesucht? Das bedeutet, schon die Jobbezeichnung so zu wählen, dass sich auch nur die Zielgruppe angesprochen fühlt und die wichtigsten Anforderungen an den Anfang zu stellen.

  • Leichter Bewerbungszugang

    Kandidaten sollten sich auf eine mobile Stellenanzeige auch direkt bewerben können. Am besten mit nur einem Klick, der die Option bietet, den Lebenslauf hochzuladen oder beispielsweise auf ein bereits bestehendes Profil, etwa bei einem Business-Netzwerk, zu verweisen. Es empfiehlt sich, ähnlich wie beim Online-Shopping, eine automatische Eingangsbestätigung zu versenden. Dazu sollten mobile Bewerbungen vom eigenen Bewerbermanagement erfasst werden. Mit einem modernen System ist das ohne Weiteres realisierbar.

Eine Alternative stellt die Nutzung mobiler Recruiting Apps dar. Verwendet jemand eine solche App bei der Jobsuche, bekommt er auf sein Profil und Suchverhalten abgestimmte Stellenangebote zugespielt und kann sich dann über die App bewerben. Insbesondere große Konzerne entwickeln mittlerweile ihre eigenen Apps. Etwas, was für kleinere Unternehmen aus Kostengründen derzeit eher noch nicht in Betracht kommt. Aber sie können auf Angebote von Stellenbörsen und Business-Netzwerken zurückgreifen. Interessiert sich dort jemand für ihr Stellenangebot, erhält das Unternehmen automatisch die Information sowie Kontaktdaten und gegebenfalls bereits in der App hinterlegte Unterlagen des Bewerbers.

Fazit

Klingt doch alles ganz einfach, oder? Ist es im Grunde genommen auch, wenn man sich einfach ein paar Dinge klar macht. Dazu gehört das Bewusstsein, dass Mobile Recruiting in Zukunft bei der Personalsuche immer wichtiger wird. Es gilt, sich von dem einen oder anderen Vorurteil zu verabschieden. Obwohl sie in knapperer Form daher kommt, eine mobil eingehende Bewerbung ist die Visitenkarte eines Jobinteressenten. Sie sollte genauso behandelt werden, wie eine klassische auf dem Papier oder per E-mail. Man darf nämlich keinesfalls vergessen: Gefragte Fachkräfte sind rar und der War for Talents ist in vielen Bereichen alles andere als eine Fata Morgana. Heute entscheiden Bewerber, ob sie sich überhaupt die Mühe machen sollen, auf ein Jobangebot zu reagieren. Wer weiterhin Fachpersonal für sich gewinnen möchte, kommt nicht umhin, auf dessen Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Ein schneller, einfacher und mobiler Zugang zum Bewerbungsprozess ist Teil davon.

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* statista.de – Statistiken zur Smartphone-Nutzung in der Schweiz 2020
** JAMES-Studie 2020 der ZHAW zur Internetverhalten der Jugendlichen in der Schweiz

Foto: Pixabay.com | Joseph Mucira

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2021-09-16T22:38:34+00:00