Betriebliches Gesundheitsmanagement vs. Stress im Job

Arbeit soll im besten Fall Spass machen – im schlimmsten Falle macht sie krank. Dabei hat in den vergangenen Jahren vor allem die psychische Belastung im Job zugenommen. Emotionale Erschöpfung, Burnout und Boreout sind Begriffe, auf die man immer wieder trifft. Im Jahre 2017 fühlten sich 21 % der Schweizerinnen und Schweizer an ihrem Arbeitsplatz dauerhaft sehr gestresst.* Eine Zahl, die aufhorchen lässt. Denn betroffen ist beinahe ein Viertel der Erwerbstätigen. Stress am Arbeitsplatz mündet nicht selten in Minderleistung und gehäuften Absenzen und verursacht dadurch Kosten. Kann ein betriebliches Gesundheitsmanagement einem Trend entgegensteuern, der so gar nicht zur modernen Arbeitswelt zu passen scheint? Jedenfalls ist betriebliches Gesundheitsmanagement in der Schweiz längst kein Fremdwort mehr. Immerhin 71 % der Schweizer Betriebe kümmern sich, laut einer Untersuchung der Stiftung «Gesundheitsförderung Schweiz», mehr oder minder umfassend um die gesundheitlichen Belange ihrer Mitarbeitenden.

Was ist Betriebliches Gesundheitsmanagement?

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement – oder kurz: BGM – versteht sich als Teil einer ganzheitlichen Unternehmensphilosophie. Per Definition geht es um die systematische Entwicklung und Umsetzung von Konzepten, die ein gesundes Arbeitsumfeld schaffen. Dadurch sollen Motivation und Leistungsfähigkeit der Belegschaft erhalten bleiben und idealerweise noch gesteigert werden. Letztendlich profitiert davon nicht nur der einzelne Mitarbeitende, sondern das ganze Unternehmen. Wer ein motiviertes Team hat, ist produktiver, innovativer und wettbewerbsfähiger. Umfassendes Gesundheitsmanagement im Unternehmen fusst auf verschiedenen Handlungsfeldern:

Die einzelnen Handlungsfelder des BGM sind dabei einerseits mitarbeiterzogen. Andererseits betreffen sie organisatorische Strukturen innerhalb des Betriebes. Zwar gibt es gesetzliche Vorgaben für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, die Arbeitgeber sowieso einhalten müssen. Aber betriebliches Gesundheitsmanagement geht über diese Vorgaben hinaus. Vielmehr handelt es sich um ein freiwilliges unternehmerisches Engagement, was allerdings ein systematisches Vorgehen erfordert. Schliesslich reicht es nicht, einen Obstkorb in den Pausenraum zu stellen oder einmal in der Woche Firmen-Yoga anzubieten. Stattdessen bedarf es einer genauen Analyse der vorhandenen Gegebenheiten, um daraus ein konkretes BGM Konzept zu entwickeln.

Warum ist Betriebliches Gesundheitsmanagement wichtig?

Aus diesem Grund ist Betriebliches Gesundheitsmanagement in der Schweiz auf den ersten Blick eher eine Angelegenheit grösserer Betriebe. Manch kleines Unternehmen mag sich nicht in der Lage sehen, ein BGM Konzept auf die Beine zu stellen. Sei es, weil vermeintlich die finanziellen Mittel fehlen oder es hierfür keine extra personellen Ressourcen gibt. Doch die Vorteile liegen klar auf der Hand. Die Gründe für ein betriebliches Gesundheitsmanagement, nämlich Minderleistung und Absenzen zu verringern und Mitarbeitende langfristig zu binden, können für einen Kleinbetrieb schwer wiegen. Krankheitsbedingte Ausfälle wettzumachen, ist eine bedeutend grössere Herausforderung, wenn man nur 20 Mitarbeitende hat, anstelle 500. Auch das Recruiting kostet unter Umständen viel mehr Zeit und Geld, statt in Massnahmen zu Gesundheitsförderung und Gesundheitsschutz zu investieren. Und nicht zuletzt: Wer als Arbeitgeber einen Wohlfühlbonus bieten kann, tut zugleich etwas für sein Image.

Um Gesundheitsmanagement im Unternehmen dauerhaft zu etablieren, muss man ja nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schiessen. BGM Konzepte lassen sich sowieso nicht allgemeinverbindlich auf jeden einzelnen Betrieb übertragen. Sondern sie müssen sich an den jeweiligen Voraussetzungen und Strukturen orientieren. Wichtig ist vor allem, die Mitarbeitenden mit einzubeziehen, um deren Wünsche und Vorstellungen an ein gesundes Arbeitsumfeld kennenzulernen. Nur dann weiss man, welche Massnahmen sich wirklich lohnen.

Was bringt Betriebliches Gesundheitsmanagement tatsächlich?

Rückentraining, gesundes Kantinenessen, ergonomisch ausgestattete Arbeitsplätze – all das sind Bestandteile von Prävention und Gesundheitsförderung im Betrieb. Genauso wie Schulungen zur Arbeitssicherheit, eine angenehme Work-Life-Balance und so weiter und so fort. Trotzdem steht der Faktor Stress nach wie vor als Problem im Raum, Tendenz zunehmend. Stösst das Betriebliche Gesundheitsmanagement hier an seine Grenzen? Wenn man BGM lediglich als ein Instrument betrachtet, das von aussen eingesetzt wirken soll, dann mag das tatsächlich so sein. Stress als Krankheitsauslöser hat aber meistens Ursachen, die im Inneren zu finden sind. Stimmt das festgelegte Arbeitspensum beispielsweise nicht mit den Fähigkeiten des jeweiligen Mitarbeitenden überein, droht Über- oder Unterforderung. Den Frust darüber kann man nicht in einer halben Stunde wegturnen. Denn das eigentliche Problem verschwindet davon nicht.

Mit anderen Worten, ob Stress entsteht, hat viel mit dem Klima am Arbeitsplatz und der Unternehmenskultur zu tun. Dazu gehört das Verhalten von Führungskräften und der generelle Umgang miteinander. Häufig mangelt es an Feedback oder Kritik ist nicht gern gesehen. Das führt zu Unmut und Unzufriedenheit, was ein neuer Schreibtischstuhl nicht aus der Welt schaffen wird. Aber auch Probleme im persönlichen Leben lösen Stress aus, der dann bis ins Arbeitsumfeld hinein wirkt. Hier hilft nur eine offene Kommunikation und gegenseitiges Verständnis. Ohne Frage ein Lernprozess, der jeden Einzelnen und das Unternehmen in seiner Gesamtheit betrifft. Dabei können sinnvolle BGM Massnahmen, wie Coachings für Führungskräfte oder zum Selbstmanagement, flankierend Hilfe zur Selbsthilfe liefern. Jedenfalls muss ein Konzept zum betrieblichen Gesundheitsmanagement von Innen heraus wachsen und sich in der gelebten Unternehmenskultur widerspiegeln.

BGM als Wettbewerbsvorteil nutzen

Die Initiative «Friendly Workspace» zertifiziert Unternehmen, egal welcher Grösse, sofern sie bestimmte BGM-Standards erfüllen. In den Zertifizierungsprozess fliessen unter anderem Faktoren wie Unternehmenspolitik, Arbeitsorganisation und soziale Verantwortung mit ein. Das sind Dinge, die nicht von der Anzahl der Mitarbeitenden abhängen. Deshalb muss sich auch ein kleiner Betrieb nicht scheuen, sich dem Thema anzunehmen. Ob man sich als Arbeitgeber ein gesundes Arbeitsumfeld auf die Fahnen schreibt, kann schliesslich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bedeuten. Wichtig ist, betriebliches Gesundheitsmanagement nicht bloss als Mittel zum Zweck zu betrachten. Stattdessen muss das Thema in der Unternehmenspolitik verankert und gemeinsam ständig weiterentwickelt werden.

* BfS: Schweizerische Gesundheitsbefragung 2017

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