Überwachung am Arbeitsplatz – digital und legal?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Es gibt sicherlich niemanden, dem der Gemeinplatz noch nicht über den Weg gelaufen ist. Ob er in dieser Form tatsächlich von Lenin stammt, bleibt wohl für immer im Dunkel der Geschichte verborgen. Allerdings scheinen sich gerade im Arbeitsleben zahlreiche Führungskräfte und Arbeitgeber genau das zum Motto gemacht zu haben. Denn Überwachung am Arbeitsplatz ist ein Thema, welches es immer wieder vor allem in die Negativschlagzeilen schafft. Obendrein sorgt die fortschreitende Digitalisierung für ständig neue Möglichkeiten, Mitarbeitenden auf die Finger zu schauen.

Wann ist die Überwachung am Arbeitsplatz in der Schweiz erlaubt?

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Vorfall bei der Firma «Ametista Mineralien» in Thalwil? Eine Sachbearbeiterin hatte entdeckt, dass ohne ihr Wissen der Arbeitsplatz videoüberwacht wurde und steckte die Kamera aus. Anschliessend hatte sie ihre Kündigung auf dem Tisch. Der SRF berichtete am 08.01.2019 in der Sendung «Kassensturz» darüber. Besonders das Verhalten des Arbeitgebers gegenüber seiner Mitarbeiterin stand dabei im Kreuzfeuer der Kritik. Aber in dem Zusammenhang kamen auch Fragen dazu auf, was im Rahmen der Mitarbeiterkontrolle eigentlich erlaubt ist.

Videokameras begleiten uns schon seit Jahren auf öffentlichen Plätzen, in Bus und Bahn oder am Geldautomaten. Und auch die Videoüberwachung am Arbeitsplatz ist in manchen Bereichen gang und gäbe. Beispielsweise werden im Detailhandel Ladenräume per Kamera kontrolliert, um Diebe abzuschrecken. Trotzdem setzen das Arbeitsrecht in der Schweiz und das Datenschutzgesetz sehr enge Grenzen, was die Mitarbeiterüberwachung betrifft. Die einzig unbedenkliche Variante sind Systeme zur reinen Arbeitszeiterfassung. Bei allem anderen gehen Privatsphäre, Gesundheit und Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmenden vor.

Weil jedwede Form von Überwachung am Arbeitsplatz transparent sein muss, verbietet sich die heimliche Installation von Kameras und Mikrofonen, wie im obigen Fall, von selbst. Darüber hinaus ist es genausowenig gestattet, damit das Verhalten von Mitarbeitenden zu kontrollieren und sie dauerhaft zu beobachten (Art. 26 ArGV3). Selbst wenn sie erlaubt sind – Überwachungsmassnahmen hinterlassen immer einen faden Beigeschmack und können auch psychische Probleme verursachen. Nichtsdestotrotz sind sie in manchen Fällen angebracht.

Was muss bei der Überwachung am Arbeitsplatz beachtet werden?

Wenn es um Sicherheitsaspekte geht oder um das Thema Unfallverhütung, kommen Massnahmen zur Mitarbeiterüberwachung durchaus in Betracht. Das gilt in eingeschränktem Masse auch für die Kontrolle von Leistung. Auf jeden Fall muss es eine betriebliche Notwendigkeit geben, die schwerer wiegt, als die Privatsphäre der Mitarbeitenden. Egal, ob Videoüberwachung am Arbeitsplatz oder andere technische Methoden, der Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Belegschaft zu informieren. Dabei geht es nicht nur darum, die Mitarbeitenden aufzuklären, warum und was überwacht wird. Sondern auch transparent zu machen, was mit den gesammelten Daten passiert und wann diese gelöscht werden.

Angezeigt kann Kontrolle sein, wenn es um den Umgang mit wertvollen Gütern geht. Denn leider darf man nicht vergessen, dass manche Mitarbeitenden es mit ihrer Treuepflicht nicht immer so ganz genau nehmen. Aber selbst hier kann man den Mitarbeitenden nicht einfach mal so in die Taschen schauen. Stattdessen müssen diese vorab wissen, dass es stichprobenartige Kontrollen geben wird. Wer als Arbeitgeber einen begründeten Verdacht hegt, dass jemand am Arbeitsplatz in die eigene Tasche wirtschaftet, braucht eine gerichtliche Genehmigung für die gezielte Überwachung. Ansonsten dürfen Ergebnisse nämlich nicht verwertet werden. Über alledem steht immer der Grundsatz der Verhältnismässigkeit. Das heisst, wenn es andere Möglichkeiten gibt, betriebliche Notwendigkeiten sicherzustellen, ist für eine Überwachung am Arbeitsplatz kein Raum.

Kann der Arbeitgeber die Internetnutzung überwachen?

Im Moment ist ja das Thema virtuelle Zusammenarbeit von grosser Bedeutung. Gerade in diesem Zusammenhang haben doch so einige Führungskräfte das Gefühl, die Kontrolle über ihre Mitarbeitenden zu verlieren. Deshalb mag manch einer gar versucht sein, auf eine digitale Überwachung zurückzugreifen. Dank des technologischen Fortschritts ist die Überwachung des PC oder der Internetnutzung geradezu ein Kinderspiel geworden. Da werden dann Webcams und Mikrofone belauscht. Oder nützliche kleine Tools, wie Keylogger, lassen den Chef mitlesen, was der Mitarbeitende gerade in die Tastatur hämmert. Selbstverständlich ohne, dass der davon etwas mitbekommt. Damit begeht man als Arbeitgeber aber eindeutig einen Rechtsbruch. Denn für die digitale Überwachung gilt dasselbe, wie für alle anderen Massnahmen bei der Mitarbeiterüberwachung.

Zwar gehören dienstliche E-mails dem Arbeitgeber, auf private Inhalte darf er aber nicht zugreifen. Auch bei der Überprüfung der Internetnutzung gibt es Grenzen. Welche Webseiten generell besucht werden, kann der Arbeitgeber auf Dienstrechnern auswerten. Aber er darf das nicht einzelnen Mitarbeitenden zuordnen. Kontrollen zur IT-Sicherheit, etwa mittels Fernwartungstools, soll und muss es natürlich geben. Trotzdem muss die Anwendung die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeitenden berücksichten. Mit anderen Worten, alles was der IT-Sicherheit und dem Datenschutz dient, ist erlaubt. Alles, was darüber hinaus geht, ist es nicht.

Rating als neue Form der Überwachung am Arbeitsplatz?

Haben Sie schon einmal von «Zonar» gehört? Falls nicht, das ist ein System zur Personalentwicklung, welches der Online-Versandriese «Zalando» aufgegleist hat. Damit können Mitarbeitende sich gegenseitig bewerten. Das stosse auf grosse Akzeptanz und helfe, wichtiges Feedback zu gewinnen, so der Konzern. Andererseits fühlen manche sich wie unter einem Brennglas und grossem Druck ausgesetzt. Vielmehr als die tatsächliche Arbeitsleistung zähle nun, wie der Einzelne im Kollegenkreis wirke. So nach dem Motto: Wenn du etwas Falsches sagst, riskierst du eine schlechte Bewertung. Und schlechte Bewertungen würden dann mit mangelnder Leistung gleichgesetzt. Also verschwimmen an diesem Punkt die Grenzen von echtem Feedback und Kontrolle.

Natürlich ist Feedback wichtig und mit den richtigen Argumenten lässt sich selbst eine solche Art von Überwachung am Arbeitsplatz verkaufen. Aber kann es Ziel sein, unter dem Deckmäntelchen einer verbesserten Feedbackkultur neue Kontrollmechanismen zu etablieren? Muss man als Arbeitgeber oder Führungskraft wirklich ständig wissen, wo die einzelnen Mitarbeitenden gerade stehen und was sie machen? Denn ständige Beobachtung erzeugt Stress, auch beim Beobachter! Eigentlich sollten in der modernen Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts Kontrolle, Befehl und Gehorsam doch längst in die Mottenkiste alter Führungsstile gehören. Oder wie stehen Sie dazu?

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Foto: Pixabay

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2020-05-26T19:47:01+00:00